Rheinpfalz vom 9.9.2015: Einfach ein Neuanfang

Bad Dürkheim: Stölzel übergibt CDU-Vorsitz nach 35 Jahren an jungen Wolf

Der Stabwechsel ist vollzogen, der CDU-Ortsverband Bad Dürkheim hat einen neuen Vorsitzenden und einen nochmals verjüngten Vorstand. Reinhard Stölzel (67) übergab nach 35 Jahren die Parteispitze an Markus Wolf (35), bisher schon einer der beiden Stellvertreter.

„Bad Dürkheim ist nicht rot“. Diese Überzeugung, 1996 in einer RHEINPFALZ-Überschrift zitiert, hatte Stölzel trotz der SPD-Dominanz in Rat und Verwaltungsspitze stets verinnerlicht. Die SPD habe nach dem Krieg immer kleinere Koalitionspartner gefunden, meinte Stölzel in seinem politischen Rückblick, darunter auch die CDU, aber eben selten auf gleicher Augenhöhe. Stölzel dagegen schwebte seit jeher eine bürgerliche Mitte vor, die sich erstmals 1994 in einer Kooperation mit FDP und FWG zusammengefunden habe. Sie mündete indes fünf Jahre später ins bis heute bestehende Jamaika-Bündnis mit FDP und Grünen. Überhaupt war 1999 der Höhepunkt der Ära Stölzel: Die CDU legte drei Sitze auf zwölf zu, Wolfgang Lutz eroberte das Rathaus. Gemeinsam mit Theo Hoffmann, Gerd Ester und der Koalition hätten Lutz und die CDU „in den letzten 15 Jahren etwas aus Bad Dürkheim gemacht“, meinte Stölzel. Wermutstropfen am Ende seiner Amtszeit: die just verlorene Bürgermeisterwahl. Die Gründe dafür nannte Stölzel „vielschichtig: Zu sicher gefühlt, zu spät begonnen, zu wenig Unterstützung durch die Ratsmitglieder, etwas späte durch den Amtsinhaber“, und nicht zuletzt bösartige Gerüchte gegen den CDU-Kandidaten listete er unter anderem auf. Auf der Gegenseite ein „eloquenter SPD-Mann mit aktiver Unterstützergruppe“, der Esters „Alleinstellungsmerkmal ,Dürkheimer’ zerrieb“, so Stölzels Analyse. „Jetzt müssen wir einen Neuanfang machen“, gab er vor und selbst das erste Beispiel dafür ab.
Markus Wolf als einziger Kandidat für die Nachfolge griff dies auf. Die CDU sei weiterhin die bestimmende Kraft in Bad Dürkheim, habe „die besseren Konzepte und die besseren Köpfe“. Müsse aber neue Akzente setzen, neue Kommunikationswege finden. „Wir müssen stärker zur Mitmachpartei werden“, skizzierte Wolf ein erstes Ziel. Will heißen: mehr Veranstaltungen, die Mitglieder mehr einzubinden, sich nach außen besser präsentieren. Für Letztes ist angedacht, die früheren Stadtwanderungen wieder aufleben zu lassen und relevanten Themen wie Flüchtlingspolitik/Asyl eigene Abende zu widmen. Auch das Ass eines jungen Bundestagsabgeordneten im Ärmel soll entsprechend ausgespielt werden.

Markus Wolf ist vor zwei Wochen zum Direktkandidaten der CDU für die Landtagswahl im Wahlkreis 41 nominiert worden (wir berichteten). Ungeachtet seines jungen Alters wirkt er bereits seit 15 Jahren im Ortsvorstand mit, seit 13 Jahren als „Vize“. Sieben Jahre lang ist er zuletzt beruflich nach Titisee-Neustadt gependelt, hatte aber schon da mit seinem Chef vereinbart, dass er Montag und Dienstag in Bad Dürkheim bleibt, „um Politik machen zu können“. Erst seine endgültige Rückkehr in die Heimatstadt zu Gunsten seiner Landtagsambitionen eröffnete auch Stölzel die Möglichkeit, nach einem halben Dutzend designierter, aber immer wieder abgesprungener Kandidaten in Jahrzehnten jetzt endlich eine Nachfolge umzusetzen. Mit dem bisherigen Beisitzer Torsten Brand rückt ein weiterer Mittdreißiger in die Vorstandsspitze.

Erste Amtshandlung des neuen Parteichefs war der einstimmig befürwortete Antrag, Reinhard Stölzel zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Über dessen Verabschiedung werden wir noch separat berichten. (psp)Kommentar

DER VORSTAND

Vorsitzender Markus Wolf, Stellvertreter Gisela Hoffmann und Torsten Brand, Schatzmeister Manfred Rings, Schriftführer Werner Grill, Medienbeauftragter Jürgen Drescher, Beisitzer Bernhard Croce, Bastian Busch, Alexander Hanke, Reimer Huy, Tine Michler, Markus Wagner, Johannes Steiniger, Torben Brake