Rheinpfalz vom 11.09.2015: Die CDU in Person

Momentaufnahme: Reinhard Stölzel als Ortsvorsitzender verabschiedet

Nun ist der Maler-Ernst-Saal der Vier Jahreszeiten ja etwas in die Jahre gekommen. Aber er passte bestens als Kulisse für den Wechsel, den Reinhard Stölzel selbst schon seit Jahren, nein, Jahrzehnten angestrebt hatte. Und doch hatte der Mann, der wie kein anderer die CDU in Bad Dürkheim verkörpert, als Ortsvorsitzender selbst 35 Jahre auf dem Buckel, ehe er jetzt endlich den Staffelstab weitergeben konnte. An gleicher Stätte, wo er am 2. Oktober 1981 mit 40 Ja-Stimmen bei sieben Nein an die Spitze des Ortsverbands gewählt worden war.
Die alten Fotos und Zeitungskopien, die sie ihm aus dieser Zeit zusammengestellt hatten, zeigten den heute 67-Jährigen noch rank und langmähnig, und den Namen Klaus Zimmermann, der damals in der JU mit ihm Plakate klebte und ihn im Vorsitz ablösen sollte, kennen heute nurmehr die Altvorderen der CDU. Es folgten ein halbes Dutzend weiterer Kandidaten, aber letztendlich war da all die Jahre nie jemand, der tatsächlich übernommen hätte.

Der Altersschnitt von 44 im aktuellen Vorstand (wir berichteten gestern) zeigt, dass der Vorsitzende das einstige Beispiel seiner väterlichen Lehrmeister Fritz Brittinger und Karlheinz Seibold dennoch praktiziert hat: Die Jugend zu fördern und zu fordern, ihr Verantwortung zu übertragen. „In welcher anderen Partei vor Ort bekommen junge Leute eine solche Unterstützung“, war die rhetorische Frage seines Nachfolgers Markus Wolf (35).

Stölzel war 32, als er Herbert Trautmann an der Parteispitze beerbte. Im Stadtrat saß er da schon zwei Jahre (nach einem halbjährigen Intermezzo mit 19). Kaum jemand hat die CDU, aber auch Bad Dürkheim so geprägt wie der frühere Mathe- und Physiklehrer, wie Wolf würdigte und dabei ebenso herzliche Worte fand wie zuvor CDU-Kreisvorsitzender Norbert Schindler, der seinen Banknachbarn im Kreistag als „absolute, verlässliche, sehr starke Größe“ bezeichnete.

Und Reinhard Stölzel war weitsichtig. Er befürwortete eine Wasserentnahme im Isenachtal schon, bevor sich die Bohrungen am Schlamberg als Rohrkrepierer erwiesen. Sein und Fritz Brittingers Vorschlag einer Fußgängerzone im Stadtkern wurde von der SPD zunächst ebenso abgeblockt wie ein Vereinshaus in den alten Vier Jahreszeiten. Heute ist der Römerplatz nicht mehr anders vorstellbar und das „Dürkheimer Haus“ eine teure Alternative. Und schließlich war es Stölzel auch, der Wolfgang Lutz zum Isenachprojekt ermunterte.

Gut, dass die Palastrevolution gegen ihn und die Brittinger-Brüder 1987 mit 56:28 Stimmen für den Vorsitzenden scheiterte. Das habe ihm auch ein Widersacher von damals im Nachhinein bestätigt, gab er am Dienstag in seiner Schlussrede preis. Das war kurz vor der Wahl 1999, die der CDU ihren größten Sieg bescherte, drei Stadtratssitze mehr samt Bürgermeistersessel. Doch, die CDU weiß, was sie 35 Jahre lang an Stölzel hatte. Und als Fraktionschef weiter haben wird. Aber erst einmal wird der erste CDU-Ehrenvorsitzende die feinen Fläschchen seiner Fraktionswinzer genießen, die er sichtlich gerührt als Abschiedsgeschenk entgegennahm – samt einem Schlemmermenü in der „Traube“ in Tonbach. Irgendwann nach dem Wurstmarkt. (psp)